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Baja Califoria Nord – Bienvenidos A Mexico

(26. Februar – 07. März 2016)

Wenn man vor hat nach Mexiko zu reisen ist es nicht gerade hilfreich vorher durch die USA zu fahren, denn was dort an Propaganda und Angst verbreitet wird ist schier unglaublich. Fast jeder, dem wir erzählen dass wir vorhaben bald nach Mexiko zu gehen warnt uns eindringlich und es spielt sich stets die gleiche Szene ab: Entsetzen auf dem Gesicht der Leute, schreckensgeweitete Augen und jede Menge böser Vorahnungen. Von gut gemeinten Ratschlägen wie „Passt bloß auf.“ bis hin zu haarsträubenden Aussagen wie „Die nehmen euer Auto und lassen euch tot im Straßengraben.“ bekommen wir die komplette Bandbreite an Warnungen und Horrorgeschichten aufgetischt.

Jeder kennt hier jemanden der jemanden kennt, dem Schreckliches in Mexiko wiederfahren ist und für viele Amerikaner ist Mexiko das Synonym für Gangster, Gewalt und Drogenbarone. Und da wollen wir wirklich hin? Nach der einschlägigen amerikanischen Meinung ist man sich sicher, dass wir absolut leichtsinnig sind und ein hohes Risiko für Leib und Leben eingehen. Trifft man dann allerdings (was eher selten vorkommt) einmal Leute, die persönlich dort waren sieht das Bild gleich ganz anders aus. Die erzählen dann nämlich nur von freundlichen und äußerst gastfreundlichen Menschen, tollem Wetter, herrlichen Stränden, prächtigen Kolonialstädten und einer Leidenschaft für mexikanisches Straßenessen. Nun, wir werden es ja sehen. Zum zweiten Mal nähern wir uns jetzt der Grenze, allerdings nicht auch ohne ein etwas mulmiges Gefühl im Magen.

Grenzübergang Tecate

Nachdem wir den besagten „Grenzvorort“ passiert haben ist es schließlich so weit und wir stehen direkt vor der Grenzschranke. Ich habe allerdings noch etwas auf US Amerikanischem Boden zu erledigen: Da es keinen Ausreisestempel gibt, muss ich mein in den Pass gestanztes Visum wieder abgeben um offiziell vor dessen Ablauf die USA verlassen zu haben. Wir schauen uns um, können aber nicht ausfindig machen, wo ich dafür hin muss; außerdem scheint es auf dieser Seite nirgends eine Eingangstür zu geben. Ich frage ein paar herumstehende Soldaten, aber von so etwas haben sie noch nie gehört. „Nein, das musst du nicht abgeben.“, behaupten sie. Ich bin anderer Meinung, habe ich doch sämtliche Warnungen gelesen, dass das Visum unbedingt abzugeben ist, sonst könnte es bei Wiedereinreise riesigen Ärger geben. Also gelange ich durch einen Hintereingang in das Grenzgebäude und stehe schließlich vor einer korpulenten Beamtin, die mich verdutzt ansieht. Auch sie hat keine Ahnung, von nichts und ihre Kollegen ebensowenig. „Und wo soll ich dann damit hingehen?“, frage ich sie; und nach kurzem Überlegen nimmt sie den Zettel und läßt ihn in ihrer Jackentasche verschwinden. Nicht gerade beruhigend. Um ehrlich zu sein, habe ich keine Ahnung, ob er jemals an der richtigen Stelle angekommen ist und ob ich mittlerweile in den USA der illegalen Einwanderung beschuldigt werde.

Nach diesem letzten Schritt können wir nun endlich mexikanischen Boden betreten. Wir passieren ein paar weitere Soldaten, die uns anschauen als wollten sie sagen „Viel Glück.“, oder „Gott sei mit euch.“, ignorieren sie aber und passieren schließlich die Grenzschranke. Man begrüßt uns freundlich und weist uns an, hinter dem Zollgebäude auf der Straße zu parken bis alle Formalitäten erledigt sind. Inständig hoffen wir, dass hier jemand englisch spricht, denn unsere Spanischkenntnisse sind um ehrlich zu sein gleich null. Zwar hatten wir uns vorher noch Lehrbücher besorgt, waren aber ausgesprochen faul. Genauer gesagt, Gary hat es bis zum 2. Kapitel geschafft, ich bin schon beim 1. hängen geblieben. Unser Spanisch beschränkt sich also auf „Hallo, Tschüß, Danke, Bitte“ und vielleicht noch das ein oder andere Wort, das man mal irgendwo aufgeschnappt hat – nicht gerade viel um komplizierte Grenzformalitäten zu erledigen. Doch wir haben Glück: Der freundliche Beamte bei der Migracion (Einwanderung) ist den Umgang mit Gringos offensichtlich gewohnt und begrüßt uns gleich auf Englisch. Die Formulare sind zu unserer Erleichterung auch zweisprachig und somit haben wir keinerlei Probleme beim Ausfüllen. Wir zahlen die Einreisegebühr bei einer Bank ein und dann geht es zur Aduana, dem Zoll, um die temporäre Einfuhrgenehmigung für das Auto zu erhalten. Auch hierfür müssen wir nochmals bezahlen und wir brauchen alle möglichen Kopien, die wir in einer kleinen Apotheke an der nächsten Ecke machen können. Das Auto selbst wird nur kurz inspiziert und nach insgesamt 1,5 Stunden ist alles erledigt. Völlig reibungslos und freundlich. Man wünscht uns eine schöne Reise und gibt uns noch Tipps mit auf den Weg wo es besonders schön sein soll. Das war wirklich einfach! Nachdem wir Berichte über stundenlanges Warten und unglaublich komplizierte Bürokratie gelesen hatten, sind wir angenehm überrascht!

Der erste Tag in Mexiko – alles wird anders

Einmal über der Grenze ändert sich schlagartig fast alles! Es gibt keine Übergangszone (wie man sich das so gerne vorstellt), sondern man taucht buchstäblich von einer Welt in eine völlig andere ein. Eben war noch alles geordnet, ausgeschildert, still und sauber und nun befinden wir uns von einer Sekunde auf die andere sozusagen im Chaos. Die Grenzstadt Tecate ist ausgesprochen häßlich mit einer Mischung aus Baracken und halbfertigen Häusern. Es wimmelt von Menschen und Autos (zumindest für uns, die wir nach Monaten in der Natur an Einsamkeit und Stille gewöhnt sind), der Fahrstil ist um einiges aggressiver und an Straßenschildern wurde offensichtlich ganz entschieden gespart. Obwohl es recht warm ist, kurbeln wir die Fenster hoch und verriegeln zusätzlich die Türen. Gerade angekommen, sind wir noch ziemlich unsicher und halten uns da lieber an Sicherheitsratschläge. Da wir uns vorgenommen haben, die Grenzregion so schnell wie möglich zu verlassen (denn dort soll es die meisten Probleme geben – was wir nicht nur von US-Amerikanern erfahren haben), wollen wir somit schnurstracks aus der Stadt heraus in Richtung Ensenada. Zuerst folgen wir noch den Hinweisschildern für die MEX 3, doch plötzlich ist die Straße an einer Baustelle zu Ende und von Schildern keine Spur mehr. „Haben die hier gar keine Umleitung?“, fragen wir uns. Anscheinend nicht. Schon drängen sich die hinteren Autos an uns vorbei auf die Gegenfahrbahn. „Aber da darf man doch gar nicht fahren“, rufe ich aus. „Na, die machen das ja auch.“, stellt Gary fest und biegt ebenfalls auf die Gegenfahrbahn ein. Es folgt etwas Nervenkitzel und dann sind wir aus der Stadt raus und es wird ersteinmal ruhiger. Aufatmen!

Entlang der MEX 3 ist das Bild bestimmt von grünen Hügeln und vornehmlich ärmlichen Dörfern. Wir kommen an heruntergekommenen Bungalows und Baracken vorbei, überall vergitterte Fenster und Türen und überall entlang der Straße Müll. Jeder Platz an dem man anhalten kann ist übersät von Müll – ein trauriges Bild und besonders für mich, die ich noch nie in einem vergleichbaren Land war, ist das alles ersteinmal schockierend. Unterbrochen wird das Ganze ab und an von überaus noblen und großflächigen Weingütern, danach wieder Armut und schäbige Baracken. Der Unterschied könnte nicht größer sein und wir fahren schweigend und etwas betroffen durch diese plötzlich so ganz andere Welt.

Nach etwa 2 Stunden erreichen wir Ensenada an der Pazifikküste und biegen auf die MEX 1 ab, der Straße, die uns fast 1000 km bis ganz in den Süden der Halbinsel Baja California führen wird. Wir passieren das bunte Zentrum von Ensenada, begrüßen den Pazifik und fahren dann stadtauswärts wieder durch ein armes Viertel mit völlig herunter gekommenen vergitterten Häusern teilweise ohne Fensterscheiben und häßlichen schäbigen Gassen. Das Ganze ist fast Angst einflößend. Sollten die Amerikaner letzen Endes doch Recht haben mit ihren Warnungen?

Ca. 20 km südlich von Ensenada finden wir dann ganz unverhofft unseren ersten Übernachtungspaltz – ein Freizeitpark in dem man auch campen kann. Und da die Anlage ausgesprochen gut aussieht (mit großem Zaun drum herum, was uns für die erste Nacht ganz recht ist), überlegen wir nicht lange und beschließen spontan hier die Nacht zu verbringen. Man empfängt uns überaus freundlich und tippt den Betrag aufgrund unserer nicht vorhandenen Spanischkenntnisse in einen Taschenrechner ein: 150 Pesos ( ca. 15 USD) und dafür dürfen wir die gesamte Anlage benutzen samt Duschen und WiFi! Da wir noch amerikanische Preise gewöhnt sind, finden wir das äußerst günstig – noch wissen wir ja nichts von mexikanischen Campingpreisen! Wir schlagen unser Lager bei einer schönen Wiese mit Picknicktischen auf und gönnen uns eine kalte Cola aus einem kleinen Kiosk. Völlig reizüberflutet von diesem Tag müssen wir uns ersteinmal setzen und durchatmen. Wir haben den ersten Tag in Mexiko überlebt und sogar einen sicheren Campingplatz mit Dusche gefunden! Wenn das kein Erfolg ist! Eigentlich haben wir das Gefühl, dass das Abenteuer erst jetzt so richtig beginnt.

Nationalpark Sierra de San Pedro Martir

Gleich am 2. Tag wartet das erste Highlight auf uns: der Nationalpark Sierra de San Pedro Martir  unter anderem Heimat vom seltenen kalifornischer Kondor. Auf dem Weg dorthin haben wir Gelegenheit uns an die neuen Straßenverhältnisse zu gewöhnen.  Trotz Hauptverbindungsstraße ist die MEX 1 schmal, es gibt keine Seitenstreifen und der Belag wechselt oft völlig unverhofft von gut zu schlecht mit gewaltigen Schlaglöchern. Auch die Beschilderung ist wie schon gesagt deutlich geringer. War in Kanada und den USA noch jede Sehenswürdigkeit meilenweit im Voraus ausgeschildert, so ist ab jetzt Schluß damit. Wenn man Glück hat, gibt es ein einzelnes Schild unmittelbar am betreffenden Abzweig, meist aber einfach irgendwo auf dem Weg oder gar keins.

Die Fahrt zum Nationalpark führt über eine Nebenstraße und ist wunderschön und einsam. Auf einer Länge von 100 km schlängelt sich die Straße von Meereshöhe hinauf auf fast 2500 m. Der Ausblick wird immer gewaltiger und die Vegetation ändert sich mit zunehmender Höhe. Wir bewundern blühende Yucca Palmen, allerlei Pflanzen deren Namen wir nicht kennen und erreichen schließlich hoch gelegenen Pinienwald. Hier oben ist es deutlich kühler und zu dieser Jahreszeit gibt es sogar noch Reste von Schnee! In der kleinen Hütte am Parkeingang bedeutet uns der Parkranger, uns in das Gästebuch einzutragen. Der Eintritt kostet 60 Pesos (ca. 3 Dollar), Camping ist gratis! Wir sind gespannt, was uns hier erwartet und staunen nicht schlecht, als eine waschechte Offroadpiste durch den Wald zu den Campingplätzen führt – ganz nach unserem Geschmack! Nicht nach unserem Geschmack ist allerdings der Müll, der überall herum liegt. Es gibt hier nur offene Mülltonnen die ausschließlich für Biomüll vorgesehen sind. Überall hängen auch Schilder, die besagen jeglichen anderen Müll wieder mitzunehmen, doch das kümmert hier anscheinend niemanden. In jeder Tonne befinden sich Plastikbecher und -teller, Tüten, Flaschen, Folie und was sonst noch so vom letzten Grillabend übrig geblieben ist. Das alles wird dann von Vögeln und anderen Tieren auf eventuell Essbares untersucht und dabei kreuz und quer im Wald verteilt – traurig so etwas selbst in dieser wunderschönen und eigentlich geschützten Landschaft zu sehen.

Zwischen riesigen Pinien schlagen wir schließlich unser Lager auf und packen die Wintersachen wieder aus, denn mit Einbruch der Dämmerung wird es eisig kalt. Ein Feuer wäre jetzt schön, überlegen wir und schlagen im Wörterbuch nach was Holz heißt. Auf dem Weg zur Hütte sehen wir plötzlich einen Kojoten. Keine 10 Meter von uns steht er im Wald und schaut uns ruhig an. Ein wunderschönes Tier mit dichtem Fell und buschigem Schwanz. Wir sind begeistert und bleiben ebenfalls regungslos stehen. Natürlich hat man in solchen Momenten nie die Kamera dabei, und so bleibt diese Begegnung ohne Foto. An der Hütte angekommen fragen wir den Ranger nach Holz, „Leña?“ Anscheinend haben wir das richtige Wort gefunden, denn er lächelt und bedeutet uns, einfach welches zu sammeln. Noch ganz an die Regeln von amerikanischen Nationalparks gewöhnt, hatten wir uns das gar nicht getraut. Kurze Zeit später prasselt unser Feuer und wir rücken dicht an die Flammen um es gemütlich warm zu haben. An diesem Abend machen wir auch zum ersten Mal Bekanntschaft mit der Feierfreudigkeit der Mexikaner. Nicht unweit von uns hat eine Gruppe Einheimischer ihre Zelte aufgeschlagen und schon bald klingt lautstark Partymusik durch den Wald. Die Natur in Stille genießen gehört grundsätzlich nicht zum mexikanischen Naturell. Doch die Party dauert (diesmal) nicht allzu lange und ab 11 Uhr nachts ist wieder alles ruhig. Der nächste Morgen begrüßt uns mit wärmenden Sonnenstrahlen, die durch die Pinien scheinen. Wir genießen ein ausgiebiges Frühstück, fahren bis an das Ende des Parks, besuchen einige Aussichtspunkte und machen uns anschließend auf den Rückweg.

„Urlaub“ auf Rancho Meling

Auf dem Weg zurück machen wir einen Abstecher zur ältesten Ranch von Baja California – Rancho Meling – und sind begeistert dort einen traumhaften kleinen Campingplatz vorzufinden. Umgeben von grünen Hügeln liegt die Ranch weit abgelegen vom nächsten Ort in idyllischer Landschaft. Ein kleines Paradies! Spontan beschließen wir hier gleich ein paar Tage zu bleiben, schlagen unser Lager mit fantastischem Ausblick auf und genießen die Nachmittagssonne. Hier lernen wir auch gleich die nächste wichtige Lektion: immer genügend Klopapier dabei haben, egal wo man ist; denn das gibt es auf fast keiner Toilette. Davon hatten wir zwar irgendwann mal gelesen, es dann aber doch wieder vergessen. Nun schauen wir auf unseren spärlichen Vorrat an verbliebenem Klopapier und bezweifeln, dass dieser noch für ein paar Tage reichen wird. Doch ist das zum Glück kein Problem – die Ranch verkauft welches. Die Toilettengewohnheiten sind übrigens hier sowieso anders: Statt das benutzte Papier in die Toilette zu werfen, wirft man es in einen Eimer der dafür bereit steht (sonst verstopfen die Leitungen); etwas an das man sich gewöhnen muss. Und zwar nicht nur an den anderen Ablauf an sich, sondern auch an den nicht unbedingt angenehmen  Anblick des benutzten Papiers seiner Vorgänger.

Auf der Ranch können wir auch endlich mal etwas machen, dass wir schon seit langem im Sinn  haben: reiten! Schon in Kanadas Westen hatten wir dies vorgehabt, doch war es für unser Budget schlichtweg zu teuer. Hier sieht das anders aus und so nutzen wir die Gelegenheit und reiten früh am nächsten Morgen mit unserem Guide, der ein wenig Englisch spricht, durch die hügelige Umgebung.

Neben Pferden, gibt es noch Kühe, Hühner, Hunde und Katzen auf der Ranch und es schön, endlich einmal wieder so viele Tiere um sich zu haben. Bald haben wir sogar unser eigenes „Haustier“, denn ein kleiner Kater freundet sich mit uns an. Jeden Tag kommt er uns besuchen, betrachtet unser Heim sogleich auch als seins, nimmt selbstbewusst auf unseren Stühlen Platz, inspiziert ausgiebig das Auto und freut sich über Streicheleinheiten und spielen. Als wir schließlich nach 3 Tagen wieder aufbrechen, fällt es uns schwer uns wieder von ihm zu verabschieden.

Der erste Einkauf in Mexiko

Unsere Vorräte sind fast aufgebraucht als wir von Rancho Meling aufbrechen. Der nächste  Ort ist San Quintín wo wir einen Großeinkauf tätigen wollen – zumindest stellen wir uns das so vor. Die Stadt stellt sich allerdings als gewöhnungsbedürftig heraus. Eigentlich ist sie ausgesprochen häßlich: eine staubige Straße zieht durch den langgestreckten Ort, links und rechts alle möglichen mehr oder weniger gut aussehenden Läden, Garküchen und Essstände. Das Einkaufen fängt schon beim Wasser an. Haben wir es sonst einfach aus der Leitung aufgefüllt, so ist das seit dem Grenzübergang absolutes Tabu. Wie die Einheimischen auch müssen wir Trinkwasser kaufen. Dafür gibt es 2 Möglichkeiten: Entweder man kauft fertig abgefülltes Wasser im Supermarkt oder, was wesentlich günstiger ist, man füllt seinen Behälter bei einer „Purificadora“, also einer Wasseraufbereitungsanlage, auf. Da wir hier bereits 2 oder 3 Purificadoras gesehen haben, entcheiden wir uns für die günstige Variante, allerdings vorerst noch etwas unsicher. Ist das auch wirklich gut gereinigtes Wasser? Und gibt es irgendwelche Hygienestandards? Wir haben keine Ahnung, sehen aber viele Einheimische hier ihr Wasser auffüllen und machen das somit auch. Als wir unsere 2 Kanister über die Theke reichen, sind wir angenehm überrascht: alles ist blitzblank sauber und der Junge, der das Wasser abfüllt, trägt sogar einen Mundschutz! Die Wasserfrage wäre also geklärt. Nun geht es zum nächsten unbekannten Teil – dem Einkaufen. Die ganze Zeit über hatten wir uns ausgemalt, überquellende Regale voller exotischer frischer Früchte und Gemüse vorzufinden, schließlich kommt ja ganz viel von dem was wir in amerikanischen und kanadischen Supermärkten für viel Geld gekauft hatten aus Mexiko. Doch als wir schließlich vor dem Gemüseregal im Supermarkt stehen, sind wir mehr als enttäuscht. Dort liegen ein paar angeschrumpelte grüne Paprika, Zwiebeln, schlaffe Selleriestangen und gelblicher Brokkoli. Viel mehr gibt es nicht. Beim Obst sieht es ebenso traurig aus: Es gibt nur Saftorangen und Limetten, dazu importierte(!) Navelorangen und Äpfel – das wars. Dabei waren wir an riesigen Erdbeerfeldern vorbeigefahren und dachten eigentlich, dass es Zitrusfrüchte hier in Hülle und Fülle geben sollte. Doch anscheinend geht das alles in den Export, im Land bleibt nur was man nicht exportieren kann. Es gibt zwar ansonsten alles was man so zum Leben braucht, doch bei frischen Sachen sieht es im wahrsten Sinne des Wortes traurig aus. Nach diesem eher ernüchternden Erlebnis, beschließen wir es noch woanders zu versuchen, denn ein Stück weit die Straße herunter hatten wir noch einen anderen mehr regional aussehenden Supermarkt entdeckt. Da man hier keinen Parkplatz hat und direkt auf der Straße parken muss, bleibt Gary vorsichtshalber im Auto und ich gehe allein hinein. Diesmal ist es wirklich ein echtes Erlebnis: Es gibt keinen Boden, sondern nur eine Erdschicht. Die Regale sind vollgestopft mit Kisten und Tüten und das Gemüseangebot ist hier deutlich besser (wenn auch nicht überragend) und unglaublich günstig. Da ich der einzige Tourist bin, werde ich gleich von allen Seiten erstaunt angeschaut. Doch ist man hier äußerst freundlich und hilfsbereit, reicht mir Tüten zum Abfüllen vom Gemüse und lächelt von allen Seiten. Um die Fleischtheke mache ich allerdings ein Bogen, denn Fleisch zu kaufen ist ab jetzt anders. Wir sind da ja ganz ehrlich ziemlich verwöhnt. Fleisch weiter nördlich oder in Deutschland zu kaufen ist eine reinliche Sache. Schön sauber zugeschnitten, appetitlich angerichtet und fast geruchsneutral. Ab jetzt ist das anders. Schon von weitem riecht man die Fleischtheke – und es riecht nicht nach lecker Geräuchertem, sondern nach Schlachthof und nicht ganz frischen Innereien. Kommt man dann näher, sieht man dass sich hier ganze Berge von Schwein- und Rinderfleisch, Hühnern, Pansen, Würsten und allem möglichen identifizierbarem und unidentifizierbarem häufen. Der Geruch verdirbt zumindest uns jegliche Lust auf Fleisch und da wir sowieso nicht besonders viel davon essen, beschließen wir bis auf weiteres ersteinmal gar keines zu kaufen. Nicht so die Mexikaner: Vor der Fleischtheke befindet sich grundsätzlich die längste Schlange und kiloweise wandern riesige Fleischportionen in die Einkaufswägen.

Mit meinem ergatterten Gemüse wieder draußen beschließen wir, dass das für heute genug Abenteuer war, beziehen einen Campingplatz in der Nähe von San Quintín und beenden den  Tag mit unserem ersten mexikanischen Corona.

Wiedersehensfreude in Bahía de Los Ángeles

Von San Quintín fahren wir zum ersten Mal auf die andere Seite der Halbinsel zur Sea of Cortez, die die Baja vom mexikanischen Festland trennt. Unser Ziel ist das kleine Dorf Bahía de Los Ángeles. Die Straße führt uns durch die Wüste vorbei an den größten Kakteen, die wir bisher gesehen haben und es wird deutlich heißer. Bald passieren wir auch den ersten von vielen Militärcheckpoints, von denen auf dem Weg nach Süden nun alle paar hundert Kilometer einer kommt. Mir flößt das Ganze ersteinmal ordentlich Respekt ein. Schließlich war ich noch nie in einem Land mit so starker Militärpräsenz. Schon die allgegenwärtigen Militärfahrzeuge mit schwer bewaffneten Soldaten obendrauf sind für mich gewöhnungbedürftig, aber dann einen Soldaten mit Maschinengewehr direkt neben dem Auto stehen zu haben noch weitaus mehr. Doch meist interessieren sie sich überhaupt nicht für uns – erst recht nicht wenn sie merken, dass wir nur ein paar Worte spanisch sprechen. Ab und an wollen sie ins Auto schauen, aber das ist dann auch nur ein kurzer Blick und schon dürfen wir weiter fahren.

Am Nachmittag in Bahía de Los Ángeles gibt es dann erneut eine Überraschung für uns: Wir treffen Ingo, Elvira und Perla wieder! Damit hatten wir nun überhaupt nicht gerechnet, schließlich waren die 3 ersteinmal in eine komplett andere Richtung gefahren…Die Freude ist natürlich groß und so beschließen wir am nächsten Tag gemeinsam zum einige Kilometer außerhalb gelegenen La Gringa zu fahren, dem nördlichsten Ende der Bucht wo man gratis campen kann und obendrein eine herrliche Aussicht genießt. Der Ort Bahía selbst hat nicht viel zu bieten. Wieder einmal ist er nicht gerade das was man als schön bezeichnen würde, und wieder einmal ist das Angebot an frischen Nahrungsmitteln äußerst begrenzt. Wir lernen jedoch schnell, dass man frische Sachen am besten auf dem Markt, bei Straßenständen oder direkt aus dem Auto von einem mobilen Händler kauft. Allerdings ist auch dies im nördlichen Teil der Baja extrem rar und so überlegen wir nicht mehr was wir gerne kochen würden, sondern kochen mit dem was es gerade gibt.

Bei La Gringa verbringen wir gemeinsam ein paar entspannte Tage, gehen spazieren, backen Brot mit hervorragender mexikanischer Holzkohle und können zum ersten Mal etwas absolut  Faszinierendes beobachten: fluoreszeirendes Plankton! Erst denken wir, es ist eine Reflektion der Sterne oder anderen Lichtes, doch dann bemerken wir wie das Wasser nur glitzert wenn es sich bewegt. Völlig begeistert von dieser Entdeckung planschen wir mit den Händen im Wasser herum und es funkelt und glitzert das es eine Pracht ist. Jeden Abend laufen wir nun extra zum Wasser nur um das magische Glitzern und Funkeln zu bestaunen was uns jedes Mal völlig in seinen Bann  zieht.

Nach 2 Tagen zieht eine Schlechtwetterfront heran und nach nur kurzer Zeit befinden wir uns in einem ausgewachsenen Sturm. Der Wind rüttelt und zerrt am Zelt, nachts ist an Schlaf fast nicht zu denken und tagsüber flüchten wir alle 4 meist unter unsere Foxwing, an die wir 3 Wände angebaut haben. Allerdings weht es dermaßen heftig, dass wir befürchten etwas kaputt zu reißen und so entscheiden wir uns nach dem Abendessen alles wegzupacken und im Auto zu schlafen – eine schwierige Aufgabe, denn die Foxwing bei Sturm wegzupacken ist nicht ganz ungefährlich. Zu viert halten wir die Stangen fest und klappen eine nach der anderen ein, doch es nützt nichts: wir hören einen Knack und schon ist einer der ausschwenkbaren Arme gebrochen – Mist, genau das hatten wir befürchtet! Doch zum Glück ist Ingo ein ausgesprochener Bastler, der fast eine ganze Werkstatt dabei hat. Momentan können wir nichts machen außer vor dem Sturm nach drinnen flüchten, aber glücklicherweise legt er sich bis zum nächsten Tag und Gary und Ingo basteln eine Macgyver mäßige Konstruktion, die sich sehen lassen kann!

Nach erfolgreicher Reparatur zieht es uns weiter, Ingo und Elvira wollen noch einen Tag bleiben. Wir vereinbaren jedoch uns im Südteil der Baja wieder zu treffen um gemeinsam einen besonderen Höhepunkt zu erleben: Wale beobachten. Darauf hatten wir uns schon lange gefreut und wir sind genau zur richtigen Zeit da! Auf nach Baja California Süd.

Mehr Fotos bei Flickr: Baja Califoria Nord

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